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Was sind Vergehen laut Definition des Strafgesetzbuchs?

  • Von Dr. Philipp Hammerich
  • Letzte Aktualisierung am: 6. Januar 2026
  • Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten
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FAQ: Vergehen, § 12 StGB

Was ist ein Vergehen laut StGB?

Vergehen sind Straftaten, für die der Gesetzgeber mindestens eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe vorsieht.

Welches Delikt ist ein Vergehen und welches ein Verbrechen?

Hausfriedensbruch und die vorsätzliche Körperverletzung nach § 223 StGB sind Vergehen. Raub, Mord und Totschlag gelten als Verbrechen. Hier finden Sie eine Tabelle mit weiteren Beispielen.

Sind Vergehen immer Antragsdelikte?

Nein, Betrug ist zwar ein Vergehen, aber trotzdem ein Offizialdelikt. Das heißt, es genügt eine einfache Strafanzeige für die Strafverfolgung.

Ist die fahrlässige Tötung ein Verbrechen oder ein Vergehen?

Die fahrlässige Tötung ist ein Vergehen wie die fahrlässige Körperverletzung.

Inhaltsverzeichnis

  • FAQ: Vergehen, § 12 StGB
  • Was ist der Unterschied zwischen Vergehen und Verbrechen?
    • Vergehen und Verbrechen: Beispiele aus dem StGB
    • Strafbarkeit des Versuchs bei Vergehen
  • Pflichtverteidigung nur bei Verbrechen?

Was ist der Unterschied zwischen Vergehen und Verbrechen?

Was bedeutet Vergehen im Strafrecht?
Was bedeutet Vergehen im Strafrecht?

Der wesentliche Unterschied zwischen einem Verbrechen und einem Vergehen liegt in der Strafe, die der Beschuldigte im Falle seiner Verurteilung erwartet.

§ 12 StGB definiert diese beiden Deliktsformen wie folgt:

  • Verbrechen sind schwerwiegende Straftaten, die laut Gesetz immer mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bestraft werden. Verhängt das Gericht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren, kann diese aber noch zur Bewährung ausgesetzt werden.
  • Vergehen wiegen nicht ganz so schwer wie Verbrechen. Deshalb hat der Gesetzgeber für diese Delikte ein geringeres Strafmaß festgelegt. Dem Täter droht im Falle seiner Verurteilung eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe.

Vergehen und Verbrechen: Beispiele aus dem StGB

Strafschärfungen und -milderungen spielen keine Rolle für die Frage, wann ein Verbrechen und wann ein Vergehen vorliegt:

Ist die gefährliche Körperverletzung ein  Vergehen oder ein Verbrechen? Es handelt sich um ersteres.
Ist die gefährliche Körperverletzung ein Vergehen oder ein Verbrechen? Es handelt sich um ersteres.
  • Deshalb ist die einfache Körperverletzung nach § 223 StGB ein Vergehen, weil hierfür mindestens eine Geldstrafe droht oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.
  • Die schwere Körperverletzung gemäß § 226 StGB bildet einen eigenen Straftatbestand, der mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bestraft wird. Damit handelt es sich um ein Verbrechen – trotz der Strafmilderung für minder schwere Fälle im Sinne des § 226 Abs. 3 StGB.
  • Die Erpressung ist ein Vergehen, weil die Mindeststrafe lediglich eine Geldstrafe ist. Diese Einstufung gilt auch dann, wenn das Gericht von einem besonders schweren Fall der Erpressung ausgeht und die Strafe deshalb verschärft.
  • Die räuberische Erpressung hingegen ist genauso wie der Raub ein Verbrechen, das mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft wird.
  • Freiheitsberaubung gemäß § 239 Abs. 1 StGB ist zunächst ein Vergehen, während die schwere Freiheitsberaubung nach § 239 Abs. 3 ein Verbrechen darstellt. Letztere liegt vor, wenn der Freiheitsentzug länger als eine Woche andauert oder wenn der Täter durch seine Tat eine schwere Gesundheitsschädigung des Opfers verursacht.

In der folgenden Tabelle haben wir weitere Beispiele für Verbrechen und Vergehen aus dem Strafgesetzbuch aufgelistet.

Tat­be­st­andMin­des­st­ra­fe lt. StGBEin­stufung
Straf­taten gegen die körper­liche Unversehrt­heit
(Einfache) Körper­verletz­ung
Geld­strafeVer­gehen
Fahr­lässige Körper­verletz­ungGeld­strafeVer­gehen
Gefähr­liche Körper­verletz­ung6 Monate Frei­heits­strafeVer­gehen
Körper­verletz­ung mit Todes­folge3 Jahre Frei­heits­strafeVer­bre­chen
Miss­handl­ung von Schutz­befohlenen6 Monate Frei­heits­strafeVer­gehen
Schwere Körper­verletz­ung1 Jahr Frei­heits­strafeVer­bre­chen
Weib­liche Genital­verstümmel­ung1 Jahr Frei­heits­strafeVer­bre­chen
Straf­taten gegen das Leben
Fahr­lässige Töt­ungGeld­strafeVer­gehen
Tot­schlag5 Jahre Frei­heits­strafeVer­bre­chen
Mordlebens­lange Frei­heits­strafeVer­bre­chen
Andere Straf­taten
Be­trugGeld­strafeVer­gehen
Brand­stiftung1 Jahr Frei­heits­strafeVer­bre­chen
Dieb­stahlGeld­strafeVer­gehen
Er­pressungGeld­strafeVer­gehen
Nöti­gungGeld­strafeVer­gehen
Raub1 Jahr Frei­heits­strafeVer­bre­chen
Sex­uelle Nöti­gung (Ver­gewalti­gung)1 Jahr Frei­heits­strafeVer­bre­chen
Unterlassene Hilfe­leistungGeld­strafeVer­gehen

Strafbarkeit des Versuchs bei Vergehen

Bei welchen Vergehen ist der Führerschein für immer weg? Wenn Sie regelmäßig unter Alkoholeinfluss fahren.
Bei welchen Vergehen ist der Führerschein für immer weg? Wenn Sie regelmäßig unter Alkoholeinfluss fahren.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Verbrechen und Vergehen liegt darin, dass der Versuch eines Verbrechens immer strafbar ist.

Bei Vergehen ist der Versuch nur dann strafbar, wenn dies ausdrücklich im Gesetz angeordnet wird. Das ist allerdings relativ oft der Fall.

  • Strafbar sind beispielsweise versuchter Betrug, versuchter Diebstahl und die versuchte Körperverletzung.
  • Nicht strafbar ist hingegen der Versuch einer Beleidigung oder ein versuchter Hausfriedensbruch.

Versuch bedeutet übrigens, dass der Beschuldigte bereits einen festen Tatentschluss gefasst und unmittelbar zur Tatbegehung angesetzt hat. Das trifft beispielsweise auf den Schläger zu, der jemanden verprügeln will und zum Faustschlag ausholt, sein Opfer aber verfehlt, weil es ausweicht.

Pflichtverteidigung nur bei Verbrechen?

Die Verjährung von Vergehen richtet sich laut § 78 StGB nach dem Höchstmaß der Strafe.
Die Verjährung von Vergehen richtet sich laut § 78 StGB nach dem Höchstmaß der Strafe.

Die Unterscheidung zwischen Vergehen und Verbrechen ist nicht nur im Hinblick auf das Strafmaß wichtig, sondern auch für die Verteidigung des Beschuldigten.

Denn laut § 140 I Nr. 2 StPO hat der Beschuldigte Anspruch auf einen Pflichtverteidiger, wenn ihm ein Verbrechen zur Last gelegt wird und ihm demnach mindestens eine Freiheitsstrafe von einem Jahr droht.

Bei Vergehen kann ein Fall der Pflichtverteidigung vorliegen, wenn zum Beispiel …

  • das Strafverfahren zu einem Berufsverbot führen kann,
  • der Beschuldigte seh-, hör- oder sprachbehindert ist und die Bestellung einer notwendigen Verteidigung beantragt oder
  • laut § 140 II StPO, „wenn wegen der Schwere der Tat, der Schwere der zu erwartenden Rechtsfolge oder wegen der Schwierigkeit der Sach- oder Rechtslage die Mitwirkung eines Verteidigers geboten erscheint.“

Auch im Strafbefehlsverfahren ist eine notwendige Verteidigung zu bestellen, wenn der Richter erwägt, auf Antrag der Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe zu verhängen, und der Angeschuldigte noch keinen Strafverteidiger hat.

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Über den Autor

Dr. Philipp Hammerich (Rechtsanwalt)
Dr. Philipp Hammerich

Dr. Philipp Hammerich ist nach einem Studium und einem Referendariat in Hamburg seit 2007 als Rechtsanwalt zugelassen. Zudem promovierte er bei Prof. Dr. Hoffmann-Riem (damaliger Richter am BVerfG). Als Autor für koerperverletzung.com bereitet er strafrechtliche Fragen für Verbraucher verständlich auf.

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