FAQ: Catcalling
Der Begriff bedeutet so viel wie „Katzenrufen“ und bezeichnet unerwünschte und aufdringliche sexuelle Bemerkungen von Fremden. Es ist eine Form der verbalen sexuellen Belästigung.
Nein, Catcalling ist im Gesetz nicht als Tatbestand verankert. Auch die Tatbestände der Beleidigung und der körperlichen sexuellen Belästigung können oft nicht angewendet werden. Jemanden wegen Catcalling anzeigen hat meist keinen Erfolg. Weshalb das so ist, erklären wir in diesem Abschnitt.
Ihre Sicherheit steht an erster Stelle. Wenn keine weiteren Personen in der Nähe sind, ist die sicherste Methode das Ignorieren des Catcalls. Weitere Möglichkeiten finden Sie in dieser Liste.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Catcalling, einfach erklärt?

Catcalling bezeichnet laut Definition unerwünschte, aufdringliche und oft sexuell motivierte Äußerungen, Geräusche oder Gesten, die Fremden im öffentlichen Raum zugerufen werden. Meist sind die Opfer Frauen oder queere Menschen und bei den Tätern handelt es sich überwiegend um Männer.
Das Catcalling ist kein Kompliment – auch wenn manche Catcaller (also Täter) glauben, nur „freundlich“ zu sein. Vielmehr handelt es sich um eine Form der verbalen sexuellen Belästigung, die darauf abzielt, die betroffene Person zu objektivieren und einzuschüchtern.
Warum heißt es eigentlich „Catcalling“? Der Begriff stammt aus dem Englischen und setzt sich aus den Wörtern „cat“ (Katze) und „calling“ (rufen) zusammen. Es bedeutet also so viel wie „Katzenrufen“. Historisch gesehen bezeichnete „Catcall“ im Theaterwesen einen pfeifenden oder buhenden Ruf, mit dem die Zuschauer ihre Missbilligung ausdrückten. Heute hat sich der Begriff im Zusammenhang mit öffentlicher Belästigung etabliert und wird verwendet, um anzügliches Verhalten zu beschreiben, das oft als herabwürdigend empfunden wird.
Ist Catcalling auch bei Männern möglich? Auch wenn es statistisch gesehen überwiegend Frauen betrifft, können Personen jeden Geschlechts Opfer davon werden. Catcalling gegen Männer wird oft ähnlich empfunden: als unangenehm, objektivierend und übergriffig.
Häufige Fälle von Catcalling: Beispiele
Diese Form der Belästigung kann leider überall und zu jeder Zeit stattfinden. Folgende Beispiele sind dabei am Gängigsten:
| Handlung | Beispiel |
|---|---|
| Verbale Zurufe | Anzügliche Fragen über Kleidung oder Aussehen. Laute, sexuell suggestive Catcalling Sprüche wie: „Hey Schätzchen, wo willst du hin?“ oder „Geiler Arsch!“ |
| Geräusche | Aufdringliches Pfeifen, Zischen, Schmatzgeräusche oder Hupen |
| Nonverbale Gesten | Aufdringliches Hinterherstarren, Luftküsse, oder anzügliche Handzeichen |
Ist Catcalling in Deutschland strafbar?

Wegen Catcalling eine Anzeige zu erstatten, hat in den meisten Fällen wenig Erfolg. Im deutschen Sexualstrafrecht gibt es nämlich keinen spezifischen Straftatbestand zum Thema. Die meisten Fälle von Catcalling können nur dann strafrechtlich verfolgt werden, wenn sie den Tatbestand der Beleidigung (§ 185 StGB) oder der körperlichen sexuellen Belästigung (§ 184i StGB) erfüllen.
Wegen Catcalling eine Strafe durchzusetzen, ist oft schwierig, da es sich größtenteils um kurze, verbale Äußerungen im öffentlichen Raum handelt, die schwer zu beweisen sind und für die Rechtsprechung nur im Ausnahmefall eine strafbare Ehrverletzung darstellen. Dadurch entsteht eine Schutzlücke, die von vielen Experten kritisiert wird.
Eine sexuelle Äußerung wird laut BGH nur dann als beleidigend angesehen, wenn sie eine ehrverletzende Missachtung darstellt, das heißt, wenn sie die betroffene Person in ihrer Ehre herabwürdigt. Dies sieht der BGH historisch fast nur dann gegeben, wenn der Täter dem Opfer ein sexuell verwerfliches oder ehrenrühriges Verhalten unterstellt (z. B. die Unterstellung, jemand würde sexuelle Handlungen gegen Bezahlung anbieten).

Viele Catcalling-Sprüche oder Rufe, die Frauen als erniedrigend empfinden, aber keine direkten Schimpfwörter oder die Unterstellung eines „verwerflichen“ Verhaltens enthalten, gelten nicht als strafbar. Obwohl es also für Betroffene eine ernste Belästigung darstellt, ist Catcalling aktuell keine Straftat.
In welchem Land ist Catcalling strafbar? Innerhalb der EU haben bereits einige Länder entschieden, juristisch dagegen vorzugehen und Catcalling unter Strafe zu stellen. Zu diesen Ländern gehören Frankreich, Belgien, Portugal, Spanien und die Niederlande. Tätern droht in den meisten Fällen eine Geldstrafe.
In einem Beschluss von 2017 urteilte der BGH, dass die Äußerung „Ich will an deine Muschi fassen“ weder als sexueller Missbrauch noch als Beleidigung verfolgt wird. Bei dem Täter handelte es sich um einen 65-Jährigen, der ein ihm unbekanntes 11-jähriges Mädchen aufforderte, mit ihm spazieren zu gehen. Als diese sich weigerte, verfolgte er sie und äußerte, dass er sie „an die Muschi fassen“ möchte. Daraufhin lief das Kind weg.
Was kann ich tun bei Catcalling?

Catcalling ist nicht die Schuld der Person selbst. Manchmal neigen Opfer dazu, sich selbst die Schuld zu geben oder bei sich selbst den Fehler zu suchen. Die Kleidung oder das Aussehen sind nicht verantwortlich für die Belästigung und haben diese auch nicht provoziert. Die Schuld liegt immer bei den Tätern selbst.
Wenn Sie selbst Opfer von Catcalling werden, ist Ihre Sicherheit immer erste Priorität. Konfrontieren Sie den Täter, kann die Situation, je nachdem, wie der Täter reagiert, eskalieren. Welche Möglichkeiten haben Sie also, sich dagegen zu wehren?
- Ignorieren: Oft wollen Täter eine Reaktion. Indem Sie nicht reagieren, entziehen Sie sich der Situation schnellstmöglich.
- Konfrontation: Hier ist Vorsicht geboten. Wenn Sie sich sicher fühlen, können Sie in ruhigem Ton sagen: „Lassen Sie das!“ oder „Das ist Belästigung.“ Seien Sie sich bewusst, dass dies die Situation eskalieren lassen kann.
- Hilfe suchen: Gehen Sie sofort zu belebteren Orten oder sprechen Sie Passanten direkt an

Wenn Sie Catcalling gegen eine andere Person mitbekommen, können Sie auch dagegen vorgehen. In diesen Fällen können Sie Folgendes tun:
- Sprechen Sie das Opfer direkt an, um die Situation zu unterbrechen und die Aufmerksamkeit vom Täter wegzulenken.
- Sagen Sie dem Täter laut und deutlich, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist. Auch hier müssen Sie vorsichtig sein.
Wenn Ihnen Catcalling am Arbeitsplatz widerfährt, verpflichtet das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz Ihren Arbeitgeber, Sie vor sexueller Belästigung zu schützen. Wenn Sie bei Ihrem Arbeitgeber eine Beschwerde einreichen, muss dieser darauf reagieren und Maßnahmen ergreifen. Diese Maßnahmen können von einem Mitarbeitergespräch über eine formelle Abmahnung bis hin zur Kündigung des Täters reichen.

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